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IP-Schutzarten – Was bedeutet die IP-Kennzeichnung?

Die IP-Schutzart (International Protection Code oder auch Ingress Protection Code) gibt an, wie gut elektrische Betriebsmittel gegen das Eindringen von Fremdkörpern, Berührung und Wasser geschützt sind. Jede IP-Kennzeichnung besteht aus den Buchstaben "IP" gefolgt von zwei Kennziffern, beispielsweise IP65 oder IP44.

Die IP-Schutzart ist besonders wichtig bei der Auswahl von: 

  • LED-Leuchten und Leuchtmitteln für Außen- und Feuchträume 
  • LED-Treibern und Netzteilen für verschiedene Einsatzorte 
  • Schaltschränken und Verteilern in der Elektroinstallation 
  • Steckdosen und Schaltern im Außenbereich 

Wichtig: Die IP-Schutzart ist nach DIN EN 60529 genormt und weltweit einheitlich. Sie gibt jedoch keine Auskunft über mechanische Festigkeit, Brandschutz oder andere Sicherheitsaspekte. IP-Schutzarten Tabelle – 


Alle Kennziffern im Überblick

Erste Kennziffer – Schutz gegen Fremdkörper und Berührung

Schutz gegen Fremdkörper und Berührung (erste Kennziffer)
Kennziffer Schutz gegen Fremdkörper Schutz gegen Berührung
0 Kein Schutz Kein Schutz
1 Geschützt gegen feste Fremdkörper ≥ 50 mm Geschützt gegen Handrücken
2 Geschützt gegen feste Fremdkörper ≥ 12,5 mm Geschützt gegen Finger
3 Geschützt gegen feste Fremdkörper ≥ 2,5 mm Geschützt gegen Werkzeuge und Drähte
4 Geschützt gegen feste Fremdkörper ≥ 1 mm Geschützt gegen Drähte und Streifen
5 Staubgeschützt (Eindringen nicht vollständig verhindert, aber kein schädlicher Staubeintrag) Vollständiger Berührungsschutz
6 Staubdicht (kein Eindringen von Staub) Vollständiger Berührungsschutz


Zweite Kennziffer – Schutz gegen Wasser

Schutz gegen Wasser (zweite Kennziffer)
Kennziffer Schutz gegen Wasser Beschreibung
0 Kein Schutz Keine besondere Abdichtung
1 Geschützt gegen Tropfwasser Senkrecht fallendes Tropfwasser darf keine schädliche Wirkung haben
2 Geschützt gegen Tropfwasser (schräg) Schutz gegen Tropfwasser bei Neigung bis 15°
3 Geschützt gegen Sprühwasser Schutz gegen Wasser, das bis 60° gegen die Senkrechte fällt
4 Geschützt gegen Spritzwasser Schutz gegen Wasser aus allen Richtungen
5 Geschützt gegen Strahlwasser Schutz gegen Wasserstrahl (Düse 6,3 mm) aus beliebiger Richtung
6 Geschützt gegen starkes Strahlwasser Schutz gegen starken Wasserstrahl (Düse 12,5 mm)
7 Geschützt gegen zeitweiliges Untertauchen Schutz bei Untertauchen bis 1 m Tiefe für 30 Minuten
8 Geschützt gegen dauerndes Untertauchen Schutz gegen dauerhaftes Untertauchen unter vom Hersteller angegebenen Bedingungen
9 Geschützt gegen Hochdruck-/Dampfstrahlreinigung Schutz gegen Wasser bei Hochdruck-/Dampfstrahlreinigung (80-100 bar, 80-100°C)


Die wichtigsten IP-Schutzarten im Detail 

IP20 – Standard für trockene Innenräume 

Schutz: Finger, Fremdkörper ≥ 12,5 mm | Kein Wasserschutz IP20 ist die Mindestschutzart für elektrische Geräte in normalen trockenen Innenräumen. Das Gehäuse verhindert das Eindringen von Fingern und größeren Fremdkörpern, bietet aber keinen Schutz gegen Wasser. 

Typische Anwendungen

  • Standardleuchten in Wohnräumen, Büros 
  • LED-Treiber für Innenanwendungen 
  • Schalter und Steckdosen in Trockenbereichen 

Nicht geeignet für: Feuchträume, Außenbereiche, staubige Umgebungen 

IP44 – Spritzwasserschutz für Feuchträume 

Schutz: Drähte, Fremdkörper ≥ 1 mm | Spritzwasser aus allen Richtungen 

IP44 bietet grundlegenden Schutz gegen Spritzwasser und ist die Mindestanforderung für Feuchträume wie Badezimmer außerhalb der Schutzbereiche. 

Typische Anwendungen

  • Badezimmerleuchten außerhalb der Schutzbereiche (ab 60 cm Abstand zu Dusche/Badewanne) 
  • Kellerleuchten in feuchten Kellern 
  • Geschützte Außenbereiche (überdachte Terrassen, Carports) 
  • Außensteckdosen mit Klappdeckel 

Wichtig: Für den direkten Dusch- und Wannenbereich (Schutzbereich 1 und 2) ist mindestens IP65 erforderlich! 

IP54 – Staubschutz mit Spritzwasserschutz 

Schutz: Staubgeschützt | Spritzwasser aus allen Richtungen 

IP54 kombiniert Staubschutz mit Spritzwasserschutz und ist ideal für leicht staubige und feuchte Umgebungen. 

Typische Anwendungen: Werkstattleuchten Industrieleuchten in leicht staubigen Bereichen Außenleuchten an geschützten Orten Garagenbeleuchtung 

IP65 – Vollständiger Staub- und Strahlwasserschutz 

Schutz: Staubdicht | Strahlwasser aus allen Richtungen 

IP65 ist die beliebteste Schutzart für Außenanwendungen und Feuchträume. Das Gehäuse ist vollständig staubdicht und hält Wasserstrahl aus allen Richtungen stand. 

Typische Anwendungen: LED-Stripes im Badezimmer (Duschbereich, Wannenbereich) Außenleuchten (Hauswände, Terrassen, Gärten) LED-Treiber für Feuchtraum- und Außeninstallationen Feuchtraumleuchten in Kellern, Waschräumen Unterwasserscheinwerfer am Poolrand 

Vorteil gegenüber IP44: Auch gegen direkten Wasserstrahl geschützt, z.B. beim Abspritzen von Terrassen mit dem Gartenschlauch. 

IP67 – Wasserdicht bei zeitweiligem Untertauchen 

Schutz: Staubdicht | Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen (bis 1 m, 30 Minuten) 

IP67 bietet zusätzlich zum Staub- und Strahlwasserschutz auch Schutz bei zeitweiligem Untertauchen. Das Gehäuse hält es aus, wenn es vorübergehend unter Wasser gerät. 

Typische Anwendungen: Bodeneinbaustrahler in Terrassen und Wegen LED-Strips entlang von Gartenteichen Outdoor-LED-Treiber ohne zusätzliches Schutzgehäuse Leuchten in überschwemmungsgefährdeten Bereichen Pool- und Teichbeleuchtung (Randbereich) 

Wichtig: IP67 ist NICHT für dauerhaftes Untertauchen geeignet! Für Unterwasserleuchten im Pool benötigen Sie IP68. 

IP68 – Wasserdicht bei dauerndem Untertauchen 

Schutz: Staubdicht | Dauerhaft wasserdicht unter Herstellerangaben 

IP68 ist die höchste gängige Schutzart und schützt gegen dauerhaftes Untertauchen. Die genauen Bedingungen (Tiefe, Dauer) werden vom Hersteller spezifiziert. 

Typische Anwendungen: Unterwasserleuchten für Pools und Schwimmteiche Brunnenbeleuchtung Aquariumbeleuchtung Bodeneinbauleuchten in dauerhaft nassen Bereichen 

Herstellerangaben beachten: Ein IP68-Gerät ist z.B. für "1,5 m Wassertiefe, dauerhaft" oder "3 m Wassertiefe, dauerhaft" ausgelegt. Diese Angabe steht im Datenblatt! 


IP-Schutzarten für typische Einsatzorte – Schnellübersicht

Welche IP-Schutzart für welchen Einsatzort?
Einsatzort Mindest-IP-Schutzart Empfohlen
Wohnräume, Büros (trocken) IP20 IP20
Badezimmer außerhalb Schutzbereiche (> 60 cm Abstand) IP44 IP44 - IP65
Badezimmer Schutzbereich 1+2 (Dusche, Wanne) IP65 IP65 - IP67
Keller (feucht) IP44 IP54 - IP65
Garage, Carport IP44 IP54
Überdachte Terrasse, Balkon IP44 IP65
Außenbereich (Wand, Garten, ungeschützt) IP65 IP65 - IP67
Bodeneinbaustrahler außen IP67 IP67 - IP68
Teich-/Poolrand IP67 IP67 - IP68
Unterwasser (Pool, Teich) IP68 IP68
Werkstatt (staubig) IP54 IP54 - IP65
Industriehallen (sehr staubig) IP65 IP65 - IP66


Unterschied zwischen IP-Schutzart und Schutzklasse 

Achtung, Verwechslungsgefahr! IP-Schutzart und Schutzklasse sind zwei völlig verschiedene Dinge: 

IP-Schutzart (z.B. IP65) 

Gibt an, wie gut das Gehäuse gegen Fremdkörper und Wasser geschützt ist Bezieht sich auf das Eindringen von außen Beispiel: IP65 = staubdicht und strahlwassergeschützt 

Schutzklasse (I, II, III) 

Gibt an, welche Maßnahmen gegen elektrischen Schlag getroffen wurden Bezieht sich auf den Schutz des Benutzers Beispiel: Schutzklasse II = schutzisoliert, kein Schutzleiter nötig Beide Angaben sind unabhängig voneinander! Ein Gerät kann z.B. IP65 und Schutzklasse I haben, oder IP20 und Schutzklasse II. ➔ Mehr dazu in unserem Wiki-Artikel über Schutzklassen.


Häufig gestellte Fragen zu IP-Schutzarten 

Was bedeutet IP65? 

IP65 bedeutet: Das Gehäuse ist vollständig staubdicht (erste Ziffer 6) und geschützt gegen Strahlwasser aus allen Richtungen (zweite Ziffer 5). IP65-Geräte können im Außenbereich und in Feuchträumen eingesetzt werden. Sie sind ideal für Badezimmer, Terrassen und Gärten. 

Was ist der Unterschied zwischen IP44 und IP65? 

Der Hauptunterschied liegt im Wasserschutz: 

  • IP44: Geschützt gegen Spritzwasser (z.B. Regen von oben) 
  • IP65: Geschützt gegen Strahlwasser aus allen Richtungen (auch direkter Wasserstrahl, z.B. Gartenschlauch) 

Zudem ist IP65 vollständig staubdicht, während IP44 nur Schutz gegen Fremdkörper ≥ 1 mm bietet. 

Faustregel: IP44 für geschützte Bereiche (überdachte Terrasse), IP65 für ungeschützte Außenbereiche. 

Was ist besser: IP67 oder IP65? 

IP67 bietet mehr Schutz als IP65. Während IP65 nur gegen Strahlwasser geschützt ist, hält IP67 auch zeitweiliges Untertauchen bis 1 Meter Tiefe für 30 Minuten aus. 

Wann IP67 statt IP65? 

  • Bodeneinbauleuchten (können bei Regen unter Wasser stehen) 
  • Bereiche mit stehendem Wasser Poolrand, Teichrand 
  • Besonders exponierte Außenbereiche 

Für normale Außenleuchten an der Hauswand reicht IP65 völlig aus. 

Welche IP-Schutzart brauche ich für das Badezimmer? 

Das hängt vom Abstand zu Dusche und Badewanne ab (Schutzbereiche nach DIN VDE 0100-701): 

  • Schutzbereich 0 (Wannen-/Duschinnenraum): Mindestens IPX7 (in der Praxis meist IP67 oder IP68) 
  • Schutzbereich 1 (direkt über Wanne/Dusche, bis 2,25 m Höhe): Mindestens IP65 
  • Schutzbereich 2 (bis 60 cm seitlich/frontal, bis 2,25 m Höhe): Mindestens IP44 
  • Außerhalb der Schutzbereiche (> 60 cm Abstand): Mindestens IP20, empfohlen IP44 

Tipp: Für LED-Stripes in der Dusche oder über der Badewanne immer IP65 oder höher wählen! 

Kann ich IP65-Leuchten dauerhaft unter Wasser verwenden? 

Nein! IP65 schützt nur gegen Strahlwasser, nicht gegen dauerhaftes Untertauchen. Für Unterwasseranwendungen (Pool, Teich, Brunnen) benötigen Sie mindestens IP68

IP67 hält zeitweiliges Untertauchen aus (z.B. bei Starkregen), ist aber auch nicht für dauerhaften Unterwassereinsatz ausgelegt. 

Welche IP-Schutzart brauchen LED-Treiber im Außenbereich? 

Für LED-Treiber im Außenbereich empfehlen wir mindestens IP65, besser IP67. 

Wichtig: Auch wenn der Treiber in einem Schutzgehäuse oder unter einem Dachvorsprung montiert wird, sollte er selbst mindestens IP65 haben. So ist er auch bei Starkregen oder eindringender Feuchtigkeit geschützt. 

Was bedeutet IP20? 

IP20 bedeutet: Schutz gegen Fremdkörper ≥ 12,5 mm (Finger) und kein Wasserschutz. IP20 ist die Standardschutzart für elektrische Geräte in normalen trockenen Innenräumen wie Wohnzimmer, Schlafzimmer oder Büros. 

Nicht geeignet für: Badezimmer, Keller, Außenbereiche oder staubige Umgebungen. 

Gibt es auch IP-Schutzarten über IP68 hinaus? 

Ja, theoretisch gibt es auch IP69, die höchste definierte Schutzart. IP69 bietet zusätzlich Schutz gegen Hochdruck- und Dampfstrahlreinigung (80-100 bar, 80-100°C). 

Anwendung: Vor allem in der Lebensmittelindustrie, wo Geräte regelmäßig mit Hochdruckreinigern gesäubert werden müssen. Für normale Beleuchtungsanwendungen ist IP69 nicht erforderlich. 

Kann ich die IP-Schutzart nachträglich erhöhen? 

Nur sehr begrenzt. Du kannst ein Gerät mit niedriger IP-Schutzart in ein Schutzgehäuse mit höherer IP-Schutzart einbauen. Allerdings müssen alle Kabeleinführungen und Öffnungen entsprechend abgedichtet werden. 

Besser: Von Anfang an das richtige Gerät mit passender IP-Schutzart kaufen! 


Praxistipps zur Auswahl der richtigen IP-Schutzart 

  • Immer eher eine Schutzart höher wählen – Lieber IP65 statt IP44, wenn du unsicher bist
  • Auf Herstellerangaben achten – Besonders bei IP67/IP68 sind Tiefe und Dauer spezifiziert 
  • Kabeleinführungen nicht vergessen – Die IP-Schutzart gilt nur bei korrekter Installation mit passenden Kabelverschraubungen 
  • Regelmäßige Kontrolle – Dichtungen können mit der Zeit porös werden, besonders bei extremen Temperaturschwankungen 
  • Keine Improvisation – Niemals versuchen, IP-Schutzarten mit Klebeband oder Silikon "aufzurüsten" 

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